Erntedank – das Fest der Wertschätzung für Lebensmittel

Flüchtlinge kochen und kosten Gemüse in der Schulungsküche des Forums ernähren, bewegen, bilden​


Erntedank - ein Fest, das es seit den Anfängen der Landwirtschaft gibt und in so vielen Religionen und kulturellen Bräuchen wiederzufinden ist: Die darin zum Ausdruck kommende Wertschätzung von Lebensmitteln und ein Essen in Gemeinschaft war der Hintergrund für eine Aktion, deren gemeinschaftlicher Partner erst gesucht und gefunden werden musste. Die Suche des „Forum ernähren bewegen bilden“ des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald in Breisach, führte über die „Tafel Breisach“, ebenfalls gelegen am Europaplatz, zum Flüchtlingshelferkreis in der Rheinstadt. Gefunden wurden eine große Offenheit gegenüber der Idee von allen Angesprochenen und eine beeindruckende Gruppe an Frauen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Ziel des Treffens war, gemeinsam zu kosten und über Geschmäcker zu sprechen.

Anne-Katrin Peters, Leiterin des Forums, erläuterte in der Schulungsküche die Bedeutung des Festes für die Landwirtschaft, gefolgt von einer „Reise durch die deutsche Küche“, bei der die Gäste typische deutsche Gemüsearten probieren konnten – roh und gekocht. Hannelore Green, ebenfalls Mitarbeiterin des Forums stellte einzelne Gemüsearten wie Kürbis und Lauch vor. Die anwesenden Kinder im Vorschulalter kannten bereits die deutschen Bezeichnungen. Die meisten Gemüsearten waren bekannt, doch wurden auch Unterschiede deutlich: „Bei uns wachsen Obst und Gemüse das ganze Jahr über“, sagte eine Frau, und eine andere ergänzte: „Bei uns wächst es schneller.“ Eine dritte meinte: „Wir kochen viel mehr mit Gemüse.“
 
Es ging weiter mit dem Würzen einer Gemüsesuppe. Bereit stand die volle Bandbreite an Gewürzen wie Pfeffer, Curry, Ingwer, Kreuzkümmel, Koriander oder Kardamom. Letztere beiden hätte Hannelore Green normalerweise nicht aus dem Gewürzregal geholt. Eine junge Frau aus Afghanistan fragte dann sogar nach "Maggi", was allgemeines Schmunzeln hervorrief. Mit großen, staunenden Augen durften die Kinder kleine "Weckle“ backen. Besonders viel Spaß bescherten ihnen auch die vielen Eieruhren in der Schulungsküche.
 
Cornelie Büchner, Sonderpädagogin und ehrenamtlich im Helferkreis tätig, begleitete die Gästegruppe. „Eine indonesische Dame und ich betreuen ein Kochprojekt in den Räumen des Blauen Hauses in Breisach“, berichtet sie. „Abwechselnd ist jede von den dreißig bis fünfzig Teilnehmerinnen einmal Chefköchin. Nach den heimischen Koch- und Essgewohnheiten gefragt, antwortet Roula, eine Studentin aus Damaskus: „Bei uns gibt es viele kleine Gemüseläden. Viele haben zwar Gemüse im Garten, kaufen aber dazu. Gemüse gibt es täglich, oft mit Reis und zweimal wöchentlich auch Fleisch. In Syrien schmeckt es besser, weil das Gemüse frisch ist. Ich koche jeden Tag für meine Familie. Das Essen in Deutschland ist für mich normal.“
 
Triva dagegen, Kurdin und Hausfrau aus einer kleinen Stadt im Irak, kocht nur zweimal wöchentlich Gemüse, das man auf dem Markt kauft. „Ansonsten gibt es Reis, Fleisch, Suppe und Nudeln. Hier koche ich anders als zu Hause; es gibt öfter Nudeln und unterschiedliche Käsesorten und seltener Reis. Das Gemüse hier ist das gleiche wie im Irak. Manches hole ich mir von der Tafel in Breisach".
 
Auch Farede, aus einer ländlichen Gegend Afghanistans stammend, Hausfrau und Schneiderin, kocht täglich. „Wir hatten immer genug zu essen“, berichtet sie. „Wir essen alle Sorten Gemüse. In Deutschland bekommt man ja alles. Am liebsten mögen wir Auberginen und Tomaten. Lauch gibt es bei uns nicht, aber er schmeckt uns.“ Sie backt auch Brot, denn das schmecke besser als das deutsche.
 
Fazit des Abends: In Erinnerung bleiben werden die gute Atmosphäre des Abends und die Erkenntnis, dass sich der Begriff „regionales“ Gemüse wohl nur auf ein geographisches Gebiet bezieht, weniger auf unterschiedliche Sorten in verschiedenen Ländern. Darüber hinaus wird das Forum ernähren, bewegen, bilden den eingeschlagenen Weg fortsetzen und auch künftig gemeinsame Veranstaltungen dieser Art mit Flüchtlingen durchführen.
 
Die Ernte-Dank-Aktion ist ein Thema der Landesoffensive „MACH´S MAHL – Gutes Essen für Baden-Württemberg“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.
Mehr Informationen dazu im Internet unter der Adresse machs-mahl.de
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(Erstellt am 16. November 2017)