​Neue Koordinaten für Baden-Württembergs Grundstücke

Abschluss der Vermessungsarbeiten für das neue europaweite Raumbezugssystem im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald​

Miitarbeiter des Landratsamtes und Medienvertreter lassen sich die neue Messtechnik vorführen.

In ganz Deutschland erfolgt im Liegenschaftskataster die Umstellung von den gewohnten Gauß-Krüger-Koordinaten auf ein neues europaweites Bezugssystem. Zum Ende des Jahres 2017 überführt das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden- Württemberg (LGL) in Stuttgart mit einer landesweiten Transformation alle Grenzpunkte und sonstigen Punkte im Amtlichen LiegenschaftsKatasterInformationsSystem (ALKIS) in das neue europäische Bezugs- und Abbildungssystem ETRS89/UTM. Ab Januar 2018 liegen die neuen amtlichen UTM-Koordinaten für das Liegenschaftskataster vor, und lösen das bisher deutschlandweit gültige Gauß-Krüger Koordinatensystem ab. Außerdem werden alle weiteren Geodaten, so z.B. die Inhalte des Amtlichen topographischen Informationssystems (ATKIS) auf das neue Raumbezugssystem umgestellt.

Zur rechnerischen Vorbereitung der Koordinatentransformation wurden von der Unteren Vermessungsbehörde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und den öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren Passpunkte im neuen System unter Verwendung von Satellitenpositionierungssystemen bestimmt. Im Landkreis Breisgau- Hochschwarzwald sind in den 133 Gemarkungen über 12000 Vermessungspunkte überprüft und mit hochpräziser Satellitentechnologie neu vermessen worden. Diese Arbeiten gestalteten sich zum Teil sehr aufwändig, da die Vermessungspunkte über den ganzen Landkreis verteilt sind und sich oftmals in schwer zugänglichen Gegenden befinden. In der Vergangenheit war für Vermessungspunkte die Sichtverbindung zu den benachbarten Anschlusspunkten das oberste Kriterium. Durch den Einsatz der Satellitenpositionierung bei Vermessungsarbeiten ist heute der abschattungsfreie Blick in den Himmel von größerer Bedeutung. Viele der ursprünglich trigonometrisch bestimmten Vermessungspunkte befinden sich in Gipfellagen der Schwarzwaldberge und sind im Winter lange Zeit nicht zugänglich. In der Gemarkung St. Peter werden nun im Landkreis die letzten Passpunkte für die Transformation bestimmt.

Die Passpunktbestimmung begann im Jahre 2006 nach der Beschaffung von zwei Empfängern der Firma Leica. Diese beiden GPS-Empfänger (GPS steht für das amerikanische Global Positioning System) wurden jüngst außer Dienst gestellt. Das Vermessungsamt führt jetzt die Passpunktbestimmung mit sechs sogenannten GNSS-Empfängern unterschiedlicher Hersteller durch. GNSS steht für „Global Navigation Satellite System“ und umfasst verschiedene weltweit nutzbare Satellitenmesssysteme mit deren Hilfe eine Positionsbestimmung durchgeführt werden kann. Die modernen Empfänger verarbeiten auch die russischen GLONASS-Signale. Beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung laufen derzeit die Vorbereitungen zur Verarbeitung von Signalen der europäischen GALILEO-Satelliten. Die Vermessungsarbeiten mit der Satellitentechnik werden dadurch immer genauer und zuverlässiger. Auch im Alltag der Bürger kommen Navigationsgeräte, Smartphones, Fotokameras, Uhren und viele weitere Geräte zum Einsatz, welche Satellitendaten zur Positionsbestimmung verwenden.

Baden-Württemberg erfüllt mit der Überführung der Geobasisdaten in ein neues Koordinatensystem, die am 15. Mai 2007 in Kraft getretene „INSPIRE-Richtlinie“ der Europäischen Gemeinschaft zur Schaffung einer einheitlichen europäischen Geodateninfrastruktur (GDI). „INSPIRE“ steht für „Infrastructure for Spatial Information in Europe“. Die Schaffung einer einheitlichen Geodateninfrastruktur für den Bereich der EU- Mitgliedstaaten ist deshalb so wichtig, da in der Vergangenheit die parallele Existenz von mehreren kleinteiligen Koordinatensystemen bei der Präsentation von Geodaten in den Rand- und Überlappungsbereichen immer wieder zu Ungenauigkeiten und zu einem erhöhten Aufwand bei der Bearbeitung geführt hat. Selbst die beiden Landesteile Baden und Württemberg hatten bis vor ca. 40 Jahren noch verschiedene Koordinatensysteme. Heute, in Zeiten umfangreicher Nutzung digitaler Geodaten ist dies undenkbar.
 

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