Sommerbilanz der Waldbäume

Douglasie ist im Hitzesommer 2017 die stabilste Baumart​

Alle Sommermonate Juni, Juli und August waren im Landkreis-Breisgau Hochschwarzwald überdurchschnittlich heiß. Mit einer Durchschnittstemperatur von mehr als 2 Grad über den Normalwerten näherte man sich schon einem Mittelmeersommer an. Darunter hatte insbesondere der Wald zu leiden. So erlitten die Bäume in diesem Jahr erhebliche Schäden. Neben der direkten Einwirkung von Hitze und Trockenheit gewannen durch die damit verbundene Schwächung der Bäume auch Schadorganismen wie Borkenkäfer oder Pilze die Oberhand.

Nach Ansicht von Hans-Ulrich Hayn, Forstbezirksleiter in Kirchzarten, war nicht nur das aktuelle Jahr entscheidend. Auch in den Jahren 2015 und 2016 gab es längere Trockenzeiten. Im letzten Winter fiel wenig Schnee und Regen. Damit waren an vielen Standorten die Wasservorräte im Unterboden gering, was den Trockenstress durch den warmen Sommer erhöhte.
 
Nun zieht die Forstverwaltung des Landkreises Bilanz. In der Summe hatten alle Baumarten unter den erhöhten Temperaturen zu leiden, im Wesentlichen auch durch Sturm, Dürre, Insekten und Pilze. Dabei spielte 2017 die sonst so große Sturmgefahr bislang keine Rolle. Die Baumarten waren 2017 in der Höhe, aber auch bei den Ursachen unterschiedlich von den Schäden betroffen.
 
Die Fichte weist die höchsten Verluste auf, verursacht vor allem durch die Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher, die sich in gestressten Wäldern sehr rasch vermehren. Die Ausmaße sind teilweise flächig bis zur Größe von mehr als einem Hektar, so dass an einigen Orten sofort junge Bäume gepflanzt werden müssen, was erheblich Kosten verursacht. Die Tanne, normalerweise deutlich stabiler, hat ebenfalls hohe Verluste. Hier treten neben Käferschäden auch direkten Dürreschäden, ausgelöst durch die geringen Niederschläge der Vorjahre auf. Die Tanne wurzelt tiefer, was ihre Stabilität bei Sturm erhöht, und in normalen Zeiten kommt sie damit auch länger an Wasser. Allerdings war es vor allem in den tieferen Lagen mit geringer Meereshöhe im Unterboden so trocken, dass sie diesen Vorteil 2017 nicht mehr ausspielen konnte. Die Schäden in Tannenwäldern sind im Regelfall kleinflächig, so dass hier die Folgekosten geringer sind. Beim Laubholz wirkt sich der Schaden durch Pilzbefall an der Esche sehr negativ aus. Dieser Pilz stammt aus Asien und die einheimische Esche hat kaum Abwehrkräfte. Dieser hängt ursächlich nicht mit dem Trockensommer zusammen, aber es können Verstärkungen auftreten. Buche, Eiche und Ahorn sind dagegen deutlich besser durch den Sommer gekommen, als es der Mittelwert für die Laubbäume ausdrückt.
 
Zunächst überrascht hat die Förster der geringe Schaden an der Douglasie, mit nur 0,7 % Verlust im Verhältnis zum Zuwachs. Das natürliche Verbreitungsgebiet der Douglasie ist der Westen Nordamerikas. Dort gibt es zwar relativ hohe Jahresniederschläge, aber es gibt viele Sommer in denen es nahezu nicht regnet. Daran ist die Douglasie optimal angepasst. Insekten und Pilze, welche die Douglasie befallen, kommen bei uns nur geringem Umfang vor. Ihre größte Schwachstelle, bei hohen Windgeschwindigkeiten entwurzelt zu werden, trat in diesem Jahr nicht auf. Der Wind blies nie so stark. Dies kam indirekt auch der Fichte zugute, die im Sturm deutlich anfälliger als die Tanne ist.
 
Erkennbar wird die positive Wirkung der Douglasie auch wenn man einzelne Wälder vergleicht. So hat der Staatswald am Rosskopf, auf der Gemarkung Wildtal Gundelfingen, mit 17 Prozent einen relativ hohen Douglasienanteil. Er liegt in den tieferen Lagen, so dass die Temperaturen eher höher sind. Zusätzlich bedingen auch hohe Alt- und Starkholzanteile eigentlich stärkere Schäden. Dennoch stabilisiert die Douglasienmischung den Wald hier bei den ungünstigen Rahmenbedingungen. 2017 war der Schadholzanfall deutlich unterdurchschnittlich im Vergleich zum gesamten Staatswald. Neben den Douglasienanteilen schützte auch die gute Durchmischung mit vielen verschiedenen Baumarten diesen Wald.
 
Die Douglasie ist mit gutem Wachstum und hohen Holzerlösen gleichzeitig die betriebswirtschaftlich leistungsfähigste Baumart. Beide Faktoren ermöglichen einen Ertrag, der doppelt so hoch wie bei Fichte und Tanne und rund fünfmal so hoch wie bei der Buche liegt. In Douglasienwirtschaftswäldern stehen über 50 Meter hohe Bäume mit Durchmessern bis zu 100 Zentimeter. Diese Giganten schaffen wunderschöne Waldbilder und spenden Waldbesuchern gleichzeitig Schatten an warmen Tagen. Damit liegt auch eine gute  Erholungseignung der  Douglasie vor.
 
Der Klimawandel lässt wahrscheinlich weitere Sommer dieser Art erwarten. So ist es unvermeidbar, die Wälder darauf vor zu bereiten. Die Douglasie dient als wichtige Absicherung der Waldstabilität für die Zukunft. In der Mischung mit heimischen Baumarten wie der Tanne, Buche, Bergahorn oder Esskastanie treten ökologischen Nachteile nicht in Erscheinung. Dort wo es die Rahmenbedingungen zulassen, ersetzen die Waldarbeiter die absterbenden Fichten verstärkt durch Douglasienanpflanzungen. Damit hoffen die Förster, können auch in Zukunft schöne und leistungsfähige Wälder bei uns erhalten werden.
 

(Erstellt am 06. September 2017)