Stegen ist die Tannenmetropole Deutschlands

Anteil der Weißtanne liegt bei sechzig Prozent​

Stegen ist sozusagen die "Tannenmetropole" Deutschlands, ist doch der ist der Anteil der Weißtanne, dem Charakterbaum des Schwarzwaldes, in allen Waldbesitzarten auf Gemarkung der Gemeinde mit rund sechzig Prozent am höchsten in ganz Deutschland. Dabei ist die Tanne mit 1,5% Anteil deutschlandweit eher eine seltenere Baumart. Im deutschen Urwald, ohne menschlichen Einfluss, war sie dagegen mit rund zehn Prozent die häufigste Nadelbaumart überhaupt.

Unter einem Fichtenbaumholz des staatlichen „Conventwaldes“ entwickelt sich eine üppige Tannennaturverjüngung. Der Fichtenbestand wurde vor rund 70 Jahren auf einer Kahlfläche, die durch einen Reparationshieb der Franzosen entstand, gepflanzt.

Die Forstwirtschaft förderte in der Vergangenheit eher andere Baumarten. Damit verlor die Tanne an Bedeutung. Verantwortlich waren im Wesentlichen zwei Faktoren: Tannentriebe sind eine Lieblingsspeise der Rehe und überhöhte Wildbestände haben über Jahrzehnte dazu geführt, dass sich die Tannen nicht mehr verjüngt haben. Weiterer Faktor waren starke Hiebe in die Waldbestände, welche der Tanne überhaupt nicht  behagten. Die vorrangige Kahlschlagwirtschaft im 20. Jahrhundert in Kombination mit den Wildständen reduzierten die Tannen in allen Bundesländern.

Deutschlandweit gesehen wachsen im Schwarzwald am meisten Tannen. Doch auch hier war die Baumart stark rückläufig. Seit Jahrzehnten versuchten Förster sie zu erhalten und zu fördern. Der Erfolg blieb lange aus und so wurde vor zwanzig Jahren das „Forum Weißtanne“ gegründet. Neben der Förderung im Wald war das entscheidende Ziel, der Tanne wieder zu einer wichtigen regionalen Marktposition zu verhelfen. „Schützen durch Nützen“ war das Leitbild. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit ist bereits viel erreicht. So gibt es wieder schöne, moderne Bauwerke in Tannenholz.
 
Die Vorteile der Weißtanne sind eindeutig. Die Tanne ist eine leistungsfähige und ökologisch wertvolle Baumart. Mit ihrem tiefreichenden Wurzelsystem und ihrer Schattentoleranz bildet diese Baumart zusammen mit der Fichte und der Buche stabile und mehrstufige Mischbestände und dient so als ein unentbehrlicher ökologischer Stabilisator. So bietet die Weißtanne auch in Zeiten des Klimawandels eine Perspektive. Durch das tiefgreifende Pfahlwurzelsystem der Tanne werden einerseits schwere und vernässte Waldböden aufgeschlossen, anderseits wird die Wasserspeicherung verbessert. Des Weiteren verfügt die Weißtanne auf diese Weise über eine hohe Sturmfestigkeit und ebenso eine höhere Stabilität gegen Borkenkäfer. So werden zwar aktuell, nach dem dritten Trockenjahr in Folge einzelne Tannen auch von Käfern befallen, aber die Schäden sind nie so groß wie in Fichtenwäldern.
 
Auch besitzt die Tanne gute technologische Eigenschaften, das Holz weist weder Harzgänge noch Harzgallen auf, es ist schwerer, dauerhafter und wetterbeständiger und wird deshalb bevorzugt im Erd- und Wasserbau eingesetzt. Außerdem sind die Tragfähigkeit und Imprägnierbarkeit der Tanne sehr gut. Die schönen, alten Schwarzwaldhöfe bestehen vorwiegend aus Tannenholz und belegen eindrucksvoll die Vorzüge der Baumart. Bezüglich der Holzqualität sind die Förster und Waldbesitzer gefordert, bessere Tannenqualitäten zu erziehen als bislang. Mit einer behutsamen Aufzucht im Schatten, mit moderaten Eingriffen und der Astung kann ein sehr hochwertiges Holz produziert werden.

Starke Weißtanne mit hervorragender Qualität

Das "Forum Weißtanne jährt sich zum zwanzigsten Mal. Anlässlich dieses Jubiläums findet am 6. Oktober 2017 in Oberwolfach die Tagung "Faszination Weißtanne" statt. Dabei wird auch eine neue Tannenbroschüre vorgestellt. Dazu hat der Sprecher des Tannenforums, Ewald Elsässer, eine Auswertung zum Tannenvorkommen durchgeführt. Dabei kam er aktuell zum Ergebnis, dass die Gemeinde Stegen den höchsten Tannenanteil in allen Waldbesitzarten innerhalb von Baden-Württemberg und folglich wohl auch in ganz Deutschland aufweist. Somit ist Stegen die tannenreichste Gemeinde Deutschlands. Die letzten genauen Daten, die man für diese Auswertung nutzen konnte, stammen aus dem Jahr 1978. Neuere Daten liegen nicht vor, aber der Vorsprung von Stegen war mit Tannenanteilen von 64 Prozent gegenüber der nächsten Gemeinde, Engelsbrand im Nordschwarzwald mit 56 Prozent, sehr deutlich. Seither mag der Anteil jeweils etwas geringer geworden sein, aber die örtlichen Förster Otmar Winterhalder und Hans-Ulrich Hayn sind der Meinung, dass der Vorsprung so groß war, dass auch heute keine Gemeinde höhere Tannenanteile aufweist.  
 
Im gesamten Schwarzwald wuchs die Tanne im Urwald mit rund fünfzig Prozent der Waldfläche, so dass in Stegen dieser Zustand mit am längsten und besten konserviert wurde. Verantwortlich dafür ist vor allem die Waldbewirtschaftung im Privatwald. Dieser dominiert flächenmäßig in Stegen und die behutsame Arbeit hat hier die Tannenanteile beständig hoch gehalten. Aber auch in den öffentlichen Wäldern lässt sich eine Trendwende erkennen. Gingen die Tannenanteile im Staatswald und Gemeindewald Stegen bislang zurück, so nehmen sie aktuell wieder zu.

Musterbeispiel dafür ist die Entwicklung in einem Fichtenbestand des Stegener Conventwaldes. Grundlage für den Fichtenwald war ein französischer Reparationshieb, der eine große Kahlfläche schuf, die anschließend mit Fichten aufgeforstet wurde. Dafür war die Fichte optimal geeignet. Heute entwickelt sich unter den Fichten eine üppige Tannenverjüngung, die beweist, dass die Entwicklung zum alten Wald in der Baumartenmischung des ehemaligen Urwaldes wieder genauso abläuft.
 
Dass in Stegen der Charakterbaum des Schwarzwaldes die höchsten Anteile überhaupt hat, war sowohl für die örtlichen Förster wie auch für Bürgermeisterin Fränzi Kleeb überraschend. Liegen doch die Tannenschwerpunkte sonst eher im mittleren und nördlichen Teil des Schwarzwaldes. Keiner hatte erwartet, dass der Tannenmittelpunkt des Schwarzwaldes in Stegen in unmittelbarer Nähe von Freiburg liegt. Einen Eindruck von diesen Tannenmischwäldern erhält man bei einer Wanderung auf dem Kandelhöhenweg. Zwischen St. Peter und Freiburg verlaufen große Streckenabschnitte durch die Tannenbestände im Privat- und Staatswald. Im Bannwald „Conventwald“, durch den der Wanderweg ebenfalls führt, wird seit fast fünfzig Jahren auf jede Holznutzung verzichtet. Aktuell sind auch die Wildstände und die Waldbewirtschaftung wieder tannengerecht, so dass gute Chancen bestehen, dass die Wälder mit dieser Besonderheit erhalten werden können.